Periode der Oranier

Bereits 3 Tage nach dem Tode von Anna Walburga am 15. Mai 1600 nahm Moritz von Oranien die Schenkung an und beanspruchte die Grafschaft Moers. Moritz ernannte deshalb am 8. Juni Jost Wirich von Pelden genannt Cloudt zu seinen Stellvertreter und zum Droste der Grafschaft.[34] Allerdings erhob auch wieder Herzog Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg Besitzansprüche. Klevische Abgesandte des Herzogs schlugen deshalb das Patent einer Besitzübernahme am 3. Juni 1600 an der Burg an und besetzten Moers einschließlich der Burg.[35] Im August 1601 griff der Oranier die Burg an und vertrieb die klevische Besatzung. Darauf wurde vom Adel und den Ständen in Moers am 12. August 1601 Moritz von Oranien als ihr Landesherr anerkannt. Nach dieser Zustimmung übernahm Moritz am 16. August 1601 die Grafschaft und es begann trotz des Protestes der klevischen Räte die 100-jährige Oranierherrschaft.[36] Allerdings verzichteten die Rechtsnachfolger vom Herzogtum Jülich-Kleve-Berg nicht auf Ihre Rechtsansprüche auf die Grafschaft. Herzog Wolfgang Wilhelm beispielsweise führte neben den Titeln der Herzöge von Pfalz-Neuburg und Jülich-Berg auch noch den Titel Graf von Moers.[37] Die jeweiligen herrschenden Oranier hatten nie ihren Sitz in Moers, sondern ernannten jeweils Droste als ihre Statthalter vor Ort.

Grafschaft Moers um 1635
Moers in der Oranierzeit nach 1600: der zuvor als "Meer" (seeartige Erweiterung des Moersbaches) bezeichnete Neumarkt ist bereits zur Landfläche umgestaltet.

Am 14. April 1607 schloss Prinz Moritz mit Erzherzog Albrecht von Österreich für die Grafschaft Moers einen Neutralisationsvertrag. Für den Vertrag mussten 3000 Karolusgulden gezahlt werden. Diese Summe hatten weitgehend die Bürgern der Grafschaft aufzubringen. Der Erzherzog war Generalgouverneur der südlichen Niederlande und vertrat die spanischen Interessen. Da der Erzherzog zusätzlich mit Prinz Moritz 1609 einen 12-jährigen Neutralisationsvertrag abschloss, wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Spaniern und den Niederländern für diese Zeit unterbrochen.[35]

Der Vertrag für die Grafschaft galt aber auch für den ab 1618 ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg. Hierdurch erreichten die Oranier, dass die Grafschaft Moers von den Kriegsparteien als „Neutral“ anerkannt wurden. Die Grafschaft mit der Stadt Moers wurde deshalb von den Kriegshandlungen und den dadurch verursachten Kriegsgräuel bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges weitgehend verschont. Lediglich 1633 und 1639 durchquerten unter Bruch der Neutralität kaiserliche Truppen die Grafschaft. Weiterhin besetzten bei einem Rückzug vor den Franzosen kaiserliche Truppen kurzzeitig 1642 die zur Grafschaft gehörende Ortschaft Homburg und es kam zu Plünderungen und Brandschatzungen in diesem Bereich der Grafschaft.[38][39]

Moritz von Oranien starb 1625. Nachfolger wurde sein Bruder Friedrich Heinrich von Oranien. In der Zeit seiner Herrschaft erfolgten die bereits angeführten Einfälle von Truppen der kriegsführenden Mächte in die Grafschaft, die zwar die Stadt Moers nicht direkt betrafen, aber bis zum Tode Friedrich Heinrichs auch die ökonomischen Verhältnisse in der Grafschaft deutlich verschlechterten. Als er 1647 starb, folgte sein Sohn Wilhelm II. von Oranien als Nachfolger, der aber bereits 1650 starb.[40]

Letzter Oranier als Graf von Moers war Wilhelm III. von Oranien, der erst 3 Tage nach dem Tode seines Vaters, Wilhelm II. geboren wurde. Diese späte Geburt versuchte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg auszunutzen. Sofort nach dem Tode seines Schwiegervaters, er war mit der Tochter Louise Henriette verheiratet, nahm er notariell Besitz von der Grafschaft. Die Geburt von Wilhelm III. beendete aber diesen Versuch und die Grafschaft verblieb bei den Oraniern.[41]

Obwohl die Oranier die Landesherren der Grafschaft waren, versuchten die Erben der ehemaligen vereinten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg ihren alten Besitzanspruch weiterhin aufrechtzuerhalten. Im Vertrag von Kleve, der 1666 die Erbstreitigkeiten für die vereinigten Herzogtümer beendete, wurde dem Kurfürst von Brandenburg die Zuständigkeit für das Herzogtums Kleve und der Grafschaft Moers bestätigt.[42]

Als Wilhelm III. am 19. März 1702 kinderlos starb, ging die Grafschaft Moers kraft eines älteren Erb- und Lehnsanspruches als Fürstentum an Preußen über. Grundlage dieses Besitzanspruches war die bereits angeführte Heirat von Luise Henriette von Oranien mit dem Großen Kurfürsten von Brandenburg.[43] Hierdurch erwarben die Brandenburger ein weiteres Anrecht auf die Grafschaft Moers über ein vererbbares Kunkellehen. Erst der Sohn des Großen Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg hatte zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit dieses Lehen mit Aussicht auf Erfolg von den Oranier einzufordern. Da Friedrich III. im Spanischen Erbfolgekrieg ab 1701 die Habsburger Ansprüche mit vertrat, realisierte er diesen Erbanspruch zusammen mit der Königswürde, er ernannte sich zum König „in“ Preußen, und erhielt für beides die Unterstützung durch den damaligen Deutschen Kaiser.


(Quelle: Wikipedia Grafschaft Moers)

Die Oranische Befestigung

Die heute in weiten Bereichen der Stadt noch sichtbaren Befestigungs-Zeugnisse gehen auf die Oranier zurück. Die Gräfin Walburga hatte noch zu Lebzeiten Stadt und Grafschaft ihrem Neffen, dem Prinzen Moritz von Nassau-Oranien geschenkt - in der Hoffnung, dieser werde die von den Spaniern seit 1586 besetzte Stadt „befreien“ – was am 2. September 1597 auch tatsächlich eintrat. Walburga konnte aus ihrem Exil zurückkehren; sie erwirkte durch geschickte Politik sowohl von dem Gouverneur der spanischen Niederlande, Erzherzog Albert, wie von den Generalstaaten der Niederlande die Neutralität für Moers. In ihrem Testament bestimmte sie Prinz Moritz zu ihrem Erben. Obwohl clevische Truppen kurzzeitig Moers besetzten (um alte Lehensansprüche durchzusetzen) nahm Moritz im August 1601 Moers endgültig mit Waffengewalt in Besitz. Unverzüglich ging er daran, die Befestigung von Schloss und Stadt zu erneuern – ebenfalls auch die Befestigung des zur Grafschaft zählenden Krefeld mit der Burg Crakau; auch die sogenannte „Moersische Straße“ mit der Papenburg in der Herrlichkeit Hüls nahm er für Oranien in Besitz. [64]

Die Festungsanlagen um das Moerser Schloss (das Casteel) wurden mit fünf neuen Bollwerken versehen und Alt- und Neustadt insgesamt mit einem Befestigungsring umgeben – nachdem es am 25. Juli 1605 noch zu einer zerstörerischen Feuersbrunst in der Altstadt gekommen war, deren Ursache nie aufgeklärt wurde. Ein recht genaue Darstellung der damaligen Befestigung zeigt der sogenannte Blaeu-Plan aus dem Jahre 1649: er zeigt einen in drei Teile zerlegten Plan, mit klarer Trennung von Stadt und Schloß, eine fünfseitige Citadelle in der Mitte und neun Ravelins im Umkreis um Schloss und Stadt herum. Es war eine typische „Niederländische“ Festungsanlage, gekennzeichnet durch spitzwinkelige Bollwerke von großer Tiefe, das Mittelbollwerk als vorgeschobenes Ravelin (Halbmond). Der Stadtgraben folgte der Form des Bollwerkes. Aufgrund der Sumpflage mussten keine großen Erdmassen bewegt werden, um die Gräben mit Wasser (aus dem Moersbach und mit Grundwasser) zu füllen.[65]


(Quelle Wikipedia Grafschaft Moers)

Oranier trafen sich in Moers: Radroute von Apeldoorn bis Moers in Planung

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Pressemitteilung vom 01.12.2014

Mehrere Personen stehen auf einer Treppe beim Oraniertreffen vor dem Moerser Schloss
Moers war nach vielen Jahren
wieder Gastgeber des
Oraniertreffens. (Foto: pst)

Von Amsterdam durch Nord- und Mitteldeutschland reihen sich herausragende Relikte oranischer Vergangenheit aneinander. Oranien bzw. Oranien-Nassau ist der Name des Königshauses der Niederlande. Von 1600/1 bis 1702 war Moers oranisch. Letzter Oranier als Graf von Moers war Wilhelm III. Ankerpunkt der „Oranierroute“ ist das Schloss. Bis vor wenigen Jahren war die Route ausschließlich als Autoroute erlebbar. Um neue Zielgruppen zu gewinnen, haben sich die Partner - 31 deutsche und niederländische Kommunen mit geschichtlicher Vergangenheit zum Hause Oranien – gemeinsam darauf verständigt, die Oranierroute auch als Radroute nach und nach zu gestalten. Ein Teilstück soll die Strecke Apeldoorn – Moers werden. Dies war ein Thema beim Oraniertreffen am Freitag, 28. November, in Moers. „Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Vorhaben auch umsetzen können“, erläutert der Moerser Wirtschaftsförderer Jens Heidenreich. Er wolle versuchen, auch andere Städte im Kreis Wesel ins Boot zu holen. Auch eine Führung „Auf den Spuren der Oranier“ mit einer niederländischen Stadtführerin ist in Planung. Die Wanderausstellung zur Oranierroute ist in Moers für Herbst 2015 vorgesehen.

15.000 Übernachtungsgäste aus den Niederlanden

Dass Moers von solchen Aktivitäten profitieren wird, steht für Michaela Klare von der „Deutschen Zentrale für Tourismus“, Niederlassung Amsterdam, fest: „Deutschland ist Reiseland Nummer 1. In Moers stellen die Niederländer mit rund 63% den mit Abstand höchsten Anteil an ausländischen Übernachtungen“. In der Summe sind es ca. 15.000 jedes Jahr. Für Rudi ter Heide aus der Oranier-Partnerstadt Apeldoorn war´s das erste Mal. Auch er sieht Potenzial: „Moers hat eine wunderschöne Altstadt, schöne Straßen, schöne Läden. Die Stadt hat mich positiv überrascht.